Die Geometrie der Gefühle

In der scanplus galerie wird die aus Danzig stammende und stets international wahrgenommene Künstlerin Gabriela Nasfeter ab dem 25. Januar 2018 Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten und etliche neue Werke zeigen.

„Jeder neue Raum, den man als Künstler bespielen kann, ist eine Herausforderung, aber diese Galerie im Science Park hat mich sehr beschäftigt. Die hohen Wände, die Durchblicke zu den anderen Stockwerken“, erklärt Gabriela Nasfeter. In den vergangenen Monaten zog es sie mitten im Entstehungsprozess von Neuem auch in ihre eigene Vergangenheit. Im überquellenden Archiv ackerte sie sich durch das eigene Schaffen, ließ sich von sich selbst überraschen, als sie beispielsweise einige große Arbeiten aus den Schutzfolien holte. Einiges davon kann man nun auch in der Ausstellung „Die Geometrie der Gefühle“ in der scanplus galerie sehen. Bei der Vernissage, die für ein volles Haus sorgte, stand die vielseitige Künstlerin denn auch zurecht im Mittelpunkt eines atmosphärischen Abends. Für den passend hochklassigen Rahmen hatte das formidable Duo Klangwelle mit Jazz-Miniaturen gesorgt. Dieter Kraus am Saxofon und Uwe Lange an der Gitarre fanden die musikalischen Formen für die großartige Kunst.

Ein Auszug aus der Einführungsrede: Natürlich nutzt Gabriela Nasfeter in dieser Ausstellung die hohen Wände und die Möglichkeit, große Arbeit zu hängen und diese wirken zu lassen. Und tatsächlich werden ihre wandfüllenden T-Räume wegen des gekonnten Spiels mit Tiefe und Weite, klaren und versteckten Räumen zu traumhaften Tagträumen. In der Andeutung eines Triptychons verbinden sich Linien über verschiedene Ebenen hinweg, verlieren sich von einer in die nächste Dimension. Winkelräume, Untiefen und -schärfen, dazwischen pastellene Wärme. Beim Aufbau wurde hier gefühlt Schicht für Schicht erweckt und erlebbar gemacht wurde. Ich verspreche Ihnen, Sie können Minuten und noch einmal mehrere Minuten vor dieser und vielen weiteren Arbeiten stehen und sie werden immer neue Räume, neue Tiefen entdecken. Allerdings wird von Ihnen natürlich auch erwartet, dass sie Ihren eigenen Standpunkt ändern.
Also: Verändern Sie Ihren Blickwinkel, erlaufen und erschauen Sie sich diese Ausstellung, hüpfen sie die freischwebenden Stufen hinunter in eine Geometrie, die alles andere als kühl ist. Wohl kalkuliert - ohne Frage, aber immer so nahbar, dass man eigentlich zu den Werken hintreten, sie anfassen, in sie hineingreifen, mit dem Kopf an den Linien entlangfahren will, damit man nichts verpasst von den Übergängen und von den Wendungen, von den versteckten Texten und Geheimnissen, die in den kleinen Quadrat-Miniaturen des Segelgewebes verborgen sind. Lassen Sie sich von der Geometrie berühren, öffnen, weiten.

 

 

„Ich produziere nicht. Ich entwickle mich weiter – mit immer neuen Themen. Ich male nicht für Andere, ich rede in meinen Arbeiten mit mir selber“, sagt Gabriela Nasfeter, reagiert in ihrer „Geometrie der Gefühle“ allerdings häufig auch auf politische und gesellschaftliche Ausschläge in dieser unserer Welt. Oftmals sind ihre Arbeiten mehrschichtig, verändern sich je nach Blickwinkel des Betrachters, geben bisweilen auch Sätze frei, die viel über das Innenleben der Künstlerin verraten könnten, wenn man all ihre Rätsel in den Zwischenräumen lösen könnte. Diese Geheimnisse machen ihre Arbeit genauso aus wie ihre Perfektion und Stringenz.

Gabriela Nasfeter füllte mit Großarbeiten wie ihrem Projekt „Lichtpyramiden“ zwölf Gotteshäuser von Berlin über Rom und New York bis Jerusalem, spannte spektakulär eine Stoffbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm über die Donau, konnte aber stets auch mit anderen Objekt-Formen und klassischen Bildformaten überzeugen. In der scanplus galerie freut sie sich besonders auf die hohen Wände, „die Lichträume, die Menschenräume, die Lebensräume – immer im Bezug zu meinen Gedanken“. Man darf also auf die Ausstellung der Grande Dame der Ulmer Kunst mehr als nur gespannt sein.

 

Gabriela Nasfeter | Geometrie der Gefühle
26.01. bis 18.04.2018

Montag bis Freitag 9 – 12 und 13 – 17 Uhr

Dienstag, 30. Januar, und Donnerstag, 1. März, geschlossen.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Details ansehen